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Hoher Besuch in Böblingen

Sozialminister Lucha informiert sich zur Flugfeld-Jugendarbeit

Sozialminister Lucha informiert sich zur Flugfeld-Jugendarbeit

Manfred Lucha war am Mittwochvormittagden 15.08. beim Verein für Jugendhilfe in Böblingen zu Besuch.


Manfred Lucha (2. von rechts) im Gespräch mit Streetworker Rainer Pravda Foto: Krülle

Die Treppen am Langen See auf dem Flugfeld gehören zu den beliebtesten Treffpunkten für Jugendliche und junge Erwachsen in der Umgebung. Ergaben sich in der Anfangszeit noch größere Probleme, hat sich die Lage inzwischen beruhigt - nicht zuletzt dank der Streetworker, die häufig vor Ort sind und Kontakt suchen.

Artikel vom 15. August 2018 - 17:36 von Robert Krülle:

BÖBLINGEN. "Weil's hier gechillt ist" - "Hier kann man Spaß haben, Musikhören und bissle saufen" - "Man trifft viele Leute": Solche und ähnliche Video-Kommentare lässt der Jugendarbeiter Matthias Rau auf der Leinwand laufen. Das soll den interessierten Besuchern etwas näher bringen, warum sich viele junge Menschen gerne auf dem Flugfeld aufhalten.

Seit März 2015 hat Rau per 80-Prozent-Anstellung allein die Aufgabe, aufsuchende Jugendarbeit auf dem Flugfeld zu betreiben. Das bedeutet, dass der Streetworker im Sommer jeden Donnerstag, Freitag und Samstag abends bei den Treppen am Langen See vorbeischaut und Kontakt zu den "Chillenden" sucht - das Zielpublikum ist zwischen 13 und 27 Jahren alt. "Wir treffen eigentlich immer mindestens 70 junge Leute an", berichtet Matthias Rau, "der Spitzenwert lag bei über 300." Im Winter beschränkt sich der Rundgang auf den Freitag, "aber selbst bei Minustemperaturen sind da Gruppen am Langen See."

Dass diese Arbeit Konflikte jeglicher Art vermeidet und so Prävention leistet, hat sich offensichtlich bis nach Stuttgart herumgesprochen. Also empfing der Verein für Jugendhilfe am Mittwochmorgen einen prominenten Gast: Landessozialminister Manfred "Manne" Lucha wollte sich persönlich ein Bild machen. "Sie machen eine wichtige Arbeit", betonte Lucha, "da wir unsere Förderungen an die richtigen Stellen verteilen wollen, informiere ich mich gerne vor Ort." Auch Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz, der Bundestagsabgeordnete Marc Biadacz sowie Vertreter der Städte und des Zweckverband Flugfelds ließen sich den Ministerbesuch nicht entgehen.

Beim gemeinsamen Gang auf das Flugfeld zeigte Lina Höppner von der Mobilen Jugendarbeit zunächst die Besonderheiten des Geländes auf: "Es ist hier sehr offen - man sieht gleich, wie viel los ist", erläutert Höppner. Dass es kaum versteckte Ecken gibt, verstärkt womöglich auch das Sicherheitsgefühl der weiblichen Besucher."Am Langen See ist der Anteil der Mädels bei etwa 40 Prozent - viel höher als bei anderen Treffpunkten", weiß die Sozialpädagogin.

„Müll bleibt ein Problem, beim Lärm richtet sich der Fokus auf Autotuner.“

Kommen an einem Ort regelmäßig so viele Jugendliche zusammen, bringt das andere Qualitäten mit sich als bei kleineren Zusammenkünften. "Die meisten Besucher stammen nicht vom Flugfeld, sondern aus anderen Böblinger Stadtteilen, aber auch aus Sindelfingen, Schönaich, Holzgerlingen oder Herrenberg", berichtet Matthias Rau.

Bei beständig mehr als 50 jungen Leuten vor Ort spricht die Jugendarbeit von "Event-Streetwork". Die Gesichter würden häufiger wechseln, die Gruppe sei recht heterogen. "Mal sind eher Jüngere da, mal vor allem junge Erwachsene", sagt Rau. Zudem seien alle Sozialmilieus vertreten - die Gymnasiasten treffen sich am Langen See genauso wie die bildungsfernen Schichten. Auch junge Flüchtlinge hätten den Treffpunkt auf dem Flugfeld zunehmend schätzen gelernt. Von Auffälligkeiten kann Rau aber nicht berichten.

Größtes Plus: Man lernt einander kennen und respektieren. "Allein unsere Präsenz führt dazu, dass Konflikte vermieden werden", betont der erfahrene Jugendarbeiter Reiner Pravda, "häufig kommen die Jugendlichen auf uns zu, wenn sie Hilfe brauchen - zum Beispiel bei einer Bewerbung."

Kurz nachdem der Lange See 2010 in Betrieb gegangen war, geriet er als Party-Standort zunächst in Verruf. Tausende Feiernde, viel Lärm und Müll führten dazu, dass die Stadt die Kontrollen verschärfte. Längst hat sich die Lage entspannt - auch dank des Streetworking von Matthias Rau und seinen Kollegen. "Der Müll ist aber immer noch ein Problem", gibt er zu, "da bleibt zu viel liegen."

In Sachen Lärm gebe es aber kaum Beschwerden. "Da bereiten uns die Autotuner, die sich auf dem Flugfeld regelmäßig treffen, mehr Sorgen", merkte Oberbürgermeister Stefan Belz an. Und gewalttätige Konflikte oder gar sexuelle Übergriffe? "Da ist mir nichts bekannt", betonte Rau, "ich habe den Eindruck, dass die Größe der Gruppe auch einen Schutz darstellt - so etwas würde nicht unbemerkt bleiben."

An die 50 000 Euro kostet den Zweckverband Flugfeld die aufsuchende Jugendarbeit vor Ort - gut angelegtes Geld, da war man sich einig. Überhaupt lobte Manfred Lucha die Böblinger Streetworker in den höchsten Tönen für ihren Einsatz im gesamten Stadtgebiet. Und dieses Engagement zahlt sich aus. "Aktuell gibt es keine Brennpunkte in der Stadt", sagt Reiner Pravda. Auch nicht der Bahnhofsvorplatz? "Da sind viele Leute unterwegs - klar", meint er, "aber ein Brennpunkt sieht für mich anders aus."